Johanniskraut – Hypericum perforatum

Mein geliebtes Sonnenkraut – das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Hypericaceae. Auf Sardinien ist sie an sonnigen Standorten noch sehr weit verbreitet. Im Gegensatz zur alten Heimat, blüht es hier aber viel früher – von Mitte April bis Mitte Mai. Wenn andere es als Heilpflanze feiern, also rund um die Sommersonnenwende, zum Fest des heiligen Johannes (24. Juni). Ist es auf Sardinien bereits in der flirrenden Hitze des sardischen Sommers verblüht.

Das Johanniskraut liebt trockene Böden, Wegränder, Hänge und Lichtungen – ein richtig typisches Sonnenkraut. Seit der Antike wurde es als Heilpflanze geschätzt und gegen vielerlei Beschwerden eingesetzt. In der Volksmedizin galt es zudem als Schutzkraut gegen dunkle Energien.

Die gelben Blüten mit ihren zarten schwarzen Pünktchen öffnen sich bei Sonnenschein – wie winzige Sonnen, die ihre Kraft an uns weitergeben. Wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, tritt ein rötlicher Saft aus – das sogenannte „Blut des Johannes“. Wer einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, wird diese Momente nie vergessen: goldgelbe Blüten, leuchtendes Licht, der Duft von trockenem Gras, das Summen der Insekten.

Das Johanniskraut wird bis zu 80 cm hoch, ist robust und doch sehr zart. Seine Blätter sind länglich und durchsichtig punktiert – daher auch der Name perforatum. Es scheint, als würde das Licht durch sie hindurchscheinen. Auf Sardinien findet man es vor allem im Frühjahr bis Frühsommer. Jetzt, Ende Juni, hat es seine Aufgabe für dieses Jahr erfüllt – und überlässt die Bühne dem Sommer, der Wegwarte, den Disteln und dem Zikadengesang.

Johanniskraut auf der Wiese

Das Johanniskraut ist ein Lichtbringer, innerlich wie äußerlich. Es stärkt die Nerven, hellt die Stimmung auf und schenkt Wärme in dunklen Zeiten. Äußerlich angewendet, heilt es Wunden, lindert Sonnenbrand und Schmerzen und pflegt gereizte Haut. Früher sagte man: Wer mit dunklen Gedanken ringt, solle sich mit Johanniskrautöl einreiben – als würde die Sonne durch die Haut bis ins Herz leuchten.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Botanisches Profil

  • Höhe: Bis zu 80 cm
  • Blüten: Goldgelb, mit fünf Blütenblättern und vielen Staubblättern.
  • Blätter: Gegenständig, schmal-länglich, mit durchscheinenden Öldrüsen.
  • Standort: Trockene, sonnige Plätze. Wegränder, Lichtungen, Brachflächen.
  • Blütezeit: April bis Ende Mai – mit Glück und Regen bis zur Sommersonnenwende

Pflanzenbezeichnungen:

  • Deutsch: Johanniskraut
  • Italienisch: Iperico, Erba di San Giovanni
  • Sardisch: Erba ‚e Santu Juanne

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Johanniskraut mein Sonnenkraut

Heilende Eigenschaften und Bedeutung

Das Johanniskraut ist seit der Antike als Heilpflanze bekannt und wurde traditionell sowohl in der Klostermedizin als auch in der Volksheilkunde genutzt.

Wirkstoffe: Hypericin, Hyperforin, Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl
Traditionelle deutsche Heilkunde: Beruhigungsmittel bei nervöser Unruhe, Schlaflosigkeit, melancholischen Verstimmungen
Sardische Heilkunde: Johanniskrautöl wird traditionell bei Hautentzündungen, Prellungen, Narben und zur Energiestärkung verwendet. Es gilt außerdem als Schutzpflanze gegen böse Einflüsse.

Heilwirkungen und Zubereitungen

Innerlich:

  • Stimmungsaufhellend
  • Nervenstärkend
  • Beruhigend bei innerer Unruhe und Schlafstörungen

Äußerlich:

  • Wundheilend
  • Entzündungshemmend
  • Schmerzlindernd bei Prellungen, Sonnenbrand, Ischias

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

🌼 Meine Rezepte

Rezept 1: Johanniskrautöl (Rotöl)
Zutaten: Frisch geerntete Blüten, kaltgepresstes Olivenöl
Zubereitung: Blüten locker in ein Glas geben, mit Olivenöl bedecken. 4–6 Wochen in der Sonne ziehen lassen, täglich sanft schütteln. Wenn das Öl rötlich ist, abseihen und in dunkle Flaschen füllen.
Anwendung: Bei Hautreizungen, Narben, Muskelverspannungen, Sonnenbrand.

Rezept 2: Johanniskraut-Tee
Zutaten: 1 TL getrocknetes Kraut, 250 ml heißes Wasser
Zubereitung: Mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen
Anwendung: Zur Beruhigung, bei nervösem Magen, als abendlicher Tee

⚠ Achtung: Bei Einnahme von Medikamenten, in der Schwangerschaft oder bei Lichtempfindlichkeit bitte vorher ärztlich oder naturheilkundlich beraten lassen!

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Kulturelle Bedeutung

In Sardinien galt das Johanniskraut als erba magica, ein Schutzkraut gegen Flüche, bösen Blick und Nachtalben. Man sammelte es zu Sonnenaufgang, oft barfuß, im Schweigen – um seine Kraft nicht zu stören. Auch in der deutschen Tradition ist es ein wichtiges Kraut in Mittsommer-Ritualen und wurde in Johannissträuße gebunden.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Spirituelle und symbolische Bedeutung

Das Johanniskraut symbolisiert Licht, Schutz und seelische Kraft. Es ist mit der Sommersonnenwende und dem Feuerfest des Lichts verbunden – ein Kraut des Übergangs zwischen Dunkelheit und Helligkeit.

Verwendung in Ritualen

Schutzritual: Getrocknet in ein Stoffsäckchen genäht und unter das Kopfkissen gelegt, soll es Albträume fernhalten.

Lichtfest: Zu Mittsommer als Blumenkranz oder Räucherwerk verwendet, um Licht und Lebensfreude einzuladen.

Verwendung in der Räucherung

Das getrocknete Kraut riecht warm, würzig und leicht balsamisch. Es wird gerne in Räuchermischungen für Mut, Klärung und Schutz verwendet.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Anbau und Pflege

Johanniskraut ist pflegeleicht, mag es sonnig und trocken und eignet sich hervorragend für Naturgärten oder Wildkräuterecken.

Aussaat: März–Mai oder September
Boden: Mager, durchlässig, kalkhaltig
Pflege: Wenig gießen, liebt Trockenheit. Nicht zu sehr düngen, da es sonst an Wirkstoffen verliert.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

❗️ Hinweise und Vorsicht ❗️

❗️ Kann in Kombination mit bestimmten Medikamenten die Wirkung verändern – insbesondere bei Antidepressiva, Blutverdünnern oder hormonellen Verhütungsmitteln.

❗️Kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen (besonders bei hellhäutigen Menschen).

❗️Nicht während Schwangerschaft oder Stillzeit ohne Rücksprache verwenden.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Johanniskraut & Mittsommer – Rituale für die lichtvolle Zeit

Das Johanniskraut ist eng mit den Jahreskreisfesten rund um die Sommersonnenwende verbunden – im Norden wie im Süden.

➡️ Litha – Sommersonnenwende (21. Juni):
Feuer, Licht, Lebensfreude – das Johanniskraut wird in vielen Regionen zur Sonnenwende gepflückt und symbolisiert die Kraft der höchsten Sonne.

➡️ San Giovanni – 24. Juni auf Sardinien:
Ein Tag voller Magie. Viele Sardinnen mischten früher sieben Kräuter zu einem Schutzwasser. Das Johanniskraut war stets dabei – zum Schutz vor dem malocchio, dem bösen Blick.

➡️ Alte Göttinnenkulte:
Das Johanniskraut wurde in vorchristlicher Zeit vermutlich auch als Sonnensymbol verehrt – in Verbindung mit dem Zyklus der Natur und der inneren Reinigung in der lichtvollen Zeit.

Die Kraft der Natur ist beeindruckend, doch wie bei allem gilt: Die Dosis macht das Gift. Heilpflanzen können wunderbare Helfer sein, aber ihre Wirkung hängt von der richtigen Anwendung und individuellen Verträglichkeit ab.

Bitte beachte:
🌿 Nicht jede Pflanze ist für jeden Menschen geeignet – Allergien oder Unverträglichkeiten solltet Ihr vorher abklären.

🌿 Die richtige Dosierung ist entscheidend. Eine zu hohe Menge kann unerwünschte Nebenwirkungen haben.

🌿 Schwangere, Stillende, Kinder oder Menschen mit Vorerkrankungen sollten vor der Anwendung Rücksprache mit einer Fachperson halten.

🌿 Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Unsicherheiten oder Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt oder eine Heilpraktikerin.

Der respektvolle Umgang mit Heilpflanzen beginnt mit Wissen und Achtsamkeit. Lass dich von der Natur inspirieren, aber gehe verantwortungsvoll mit ihr um. 🌿✨

Ich hoffe, du hast beim Lesen genauso viel Sonnenkraft gespürt wie ich beim Schreiben 🌞

Vielleicht begegnet dir das Johanniskraut ja auf einer Wanderung durch die sardische Macchia – und du erinnerst dich daran, wie viel Licht in so einer kleinen Blüte stecken kann.

Bis bald und einen lichtvollen Sommer dir!
Eure Anja 🌿✨

Tschüss und vielleicht bis bald auf Sardinien


Hinterlasse einen Kommentar