🌕 Benvenidu – Willkommen bei Sa Sanadora

in längst vergangenen Zeiten waren auf Sardinien die Sa Sanadora, weise Frauen, die wichtigsten Ratgeberinnen der Menschen. Sie verstanden die Sprache der Natur waren die Balance zwischen Mensch, Erde und den Elementen. Sie waren Heilerinnen, Seherinnen und Bewahrerinnen uralter Traditionen. Ihre Fähigkeiten wurden von den Dorfgemeinschaften tief geschätzt: Sie kannten die heilenden Kräfte von Pflanzen und Kräutern, wussten um die Kraft der heiligen Orte der Insel und verstanden es, mit Ritualen Schutz, Heilung und Harmonie zu schenken.

Am Anfang steht ein Faden.

Wie in vielen anderen alten Kulturen waren es Frauen die die Fäden des Schicksals in den Händen hielten. Drei Frauen: sie spannen, webten und durchschnitten das Leben – Schicksalsweberinnen. Im Norden Europas waren es die Nornen, die Moiren in Griechenland, und auch auf Sardinien gibt es Geschichten von weisen Frauen, die das unsichtbare Netz zwischen Mensch und Natur, Erde und Geist berührten.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Die drei Nornen – Hüterinnen des Schicksals

In der nordischen Mythologie leben die Schicksalsfrauen, an den Wurzeln von Yggdrasil, dem Weltenbaum. Dort weben sie das Schicksal aller Wesen – Götter wie Menschen.

Ihre Namen und Bedeutungen:

  • Urd (auch: Urðr) – Was gewesen ist – Sie steht für die Vergangenheit, die Wurzel, das bereits Geschehene. Aus ihr wächst das Verständnis für das Jetzt.
  • Verdandi (auch: Verðandi) – Was ist / das Werdende. Sie verkörpert die Gegenwart, den Moment der Wandlung. Sie zeigt uns, dass Leben immer Bewegung ist.
  • Skuld – Was sein wird / was sein soll – Sie symbolisiert die Zukunft, das, was noch offen ist. Skuld bringt auch eine Ahnung von Pflicht und Notwendigkeit mit sich.

Die Nornen erinnern mich daran, dass Zeit nicht linear ist – sondern ein Gewebe, das ständig weitergesponnen wird. Sie schreiben nicht fest, was geschehen muss, sondern eröffnen Möglichkeiten, indem sie Fäden verknüpfen. Ich liebe diesen Gedanken.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Die sardischen Schicksalsweberinnen – Namen und Gestalten

Auch auf Sardinien finden sich Geschichten von Frauen, die mit Spindel, Faden und Webstuhl dargestellt werden und das Leben der Menschen lenken. Sie tragen hier andere Namen, oft aus dem Dialekt oder der mündlichen Überlieferung. Es sind keine direkten Entsprechungen zu den nordischen Nornen, aber sie erfüllen ähnliche Rollen:

🌕 Filonzana (auch: Sa Filonzana) – Der bekannteste Name einer sardischen Spindelträgerin. Sie tritt in einigen Regionen Sardiniens immer noch als rituelle Figur beim Karneval auf – oft als alte Frau mit einer Spindel und schwarzem Kleid. Sie spinnt symbolisch den Lebensfaden, und manche sagen, sie könne ihn auch durchtrennen. In manchen Dörfern ist sie die Verkörperung des Schicksals – stumm, ernst und kraftvoll.

🌕 S’Accabadora – Diese düstere Gestalt wird in der modernen Forschung manchmal als „barmherzige Todesbringerin“ gedeutet. Sie war (so sagt man) eine Frau, die alten oder leidenden Menschen beim Sterben half – nicht aus Grausamkeit, sondern aus Mitgefühl. Sie wird manchmal mit den Schicksalsfrauen assoziiert, da sie über den letzten Faden wacht. Auch wenn sie nicht direkt zu den Nornen gehört, symbolisiert sie das Ende des Lebensweges – wie Skuld im Norden.

➡️ Im ethnografischen Museum Galluras in Luras ist ein besonderer Gegenstand ausgestellt: der Holzhammer der vermutlich letzten lebenden Accabadora, gesammelt und bewahrt von Pier Giacomo Pala – ein stilles Zeugnis einer fast vergessenen sardischen Tradition.

🌕 Janas – Die Feen oder Priesterinnen Sardiniens, sie leben in Höhlen oder Felsenwohnungen (Domus de Janas). Sie sind nicht direkt Schicksalsweberinnen, aber mancherorts wird erzählt, sie hätten mit goldenen Spindeln gearbeitet und Fäden gewoben. Einige Legenden deuten an, dass sie das Leben beeinflussen konnten – sie konnten heilen, durch Segen oder Verwünschung das Leben der Menschen beeinflussen, sie kannten das Wissen um Pflanzen, Sterne und Zeit.

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆

Einige sagen, die Janas seien längst verschwunden – in die Tiefen der Erde zurückgekehrt, aus der sie einst kamen. Aber vielleicht sind sie gar nicht fort. Denn vielleicht haben sie ihre Aufgaben irgendwann in menschliche Hände gelegt.

In die Hände der Sa Sanadora. Der Heilerinnen, Kräuterfrauen, Wissende – Frauen, die schon vor Jahrhunderten bekannt waren und das alte Wissen der Feen weitertrugen.
Sie kannten die Zeichen der Natur, spürten die Kraft der Mondphasen, bewahrten Rituale, die weit älter waren als jede Kirche. Sie heilten mit Händen und Worten – und trugen das Licht der Janas weiter, durch dunkle Zeiten hindurch.

Die Sa Sanadora, Sardiniens alte Heilerinnen, waren tief mit der spirituellen und natürlichen Welt verbunden. Wie ihre Schwestern im Norden Europas kannten sie die heilenden Kräfte von Pflanzen, das Wesen heiliger Orte und die Kraft der Rituale. Sie heilten, hörten zu, sahen voraus – und begleiteten die Menschen durch die großen Übergänge des Lebens.

Mit der Christianisierung und dem Wandel der Zeit geriet ihr Wissen immer mehr in Vergessenheit. Aber auf Sardinien ist es nie ganz verschwunden. In den Bergen, an alten Brunnenheiligtümern, auf versteckten Pfaden liegt es noch – das uralte, leise Wissen der Frauen.

Mit dieser Webseite möchte ich eine Brücke schlagen: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen uralten Bräuchen ein bisschen Zauber in unserem allzu hektischen heutigen Leben und eine neue Verbindung mit unserer Erde.
Lass dich inspirieren, entdecke mit mir die Kraft der Pflanzen, die Magie alter Rituale und die mystische Schönheit Sardiniens.

Vielleicht wirst du selbst zur Weberin deines eigenen Weges.

Herzlich willkommen auf Sa Sanadora – deiner Spur zu den vergessenen Fäden.

Eure Anja

⋆˖⁺‧₊☽◯☾₊‧⁺˖⋆


#SaSanadora #Sardinien #Naturspiritualität #Heilkunde #Naturreligionen #SardinienMagie

Artikel im Blog

🌿 Mirto – Myrtus communis – die duftende Seele Sardiniens

Heilkraut, Hexenkraut und heilige Pflanze der Sanadora – wenn im November die kleinen, dunklen Beeren der Myrte dunkel werden, beginnt auf Sardinien eine besondere Zeit. Die Luft duftet nach Winter, Sonne, Wind und Holzfeuer, und in der Macchia glänzen die blauschwarzen Früchtchen zwischen silbergrünen Blättern. Für viele Sarden ist das Sammeln dieser Beeren mehr als…

🍂 Samhain – Wenn die Stürme kommen🌞

Der Herbst ist auf Sardinien angekommen. Die ersten Stürme fegen über die Insel, manchmal bis zu 90 km/h. In der Nacht klappert an meinem Tiny House alles — Fensterläden, Türen, das Dach des kleinen Hauses – schlafen fast unmöglich. Der Wind singt alte Lieder, und der Regen fällt in Strömen. Die Insel atmet auf. Nach…

Dog May – Mein Seelenpferd

Dog May – Erinnerungen. Schmerz. Und eine Botschaft aus dem Tarot. Es war einmal ein Pferd. Nicht irgendeines – mein Seelenpferd. Pferde begleiteten mich schon immer, aber er war anders. Es war, als hätte er mich gefunden – nicht ich ihn.

24. Juni – Sommersonnenwende – sie ist vollbracht 🌞

Johannistag auf Sardinien – Heute ist der 24. Juni – Johanni, der Tag, an dem nach altem Volksglauben das Licht seinen höchsten Punkt erreicht hat. Die Sommersonnenwende begann am 21. Juni, und heute klingt sie aus. Von nun an werden die Tage wieder ein wenig kürzer – kaum spürbar, und doch beginnt das Rad sich zu drehen.

Johanniskraut – Hypericum perforatum

Mein geliebtes Sonnenkraut – das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Hypericaceae. Auf Sardinien ist sie an sonnigen Standorten noch sehr weit verbreitet. Im Gegensatz zur alten Heimat, blüht es hier aber viel früher – von Mitte April bis Mitte Mai. Wenn andere es als Heilpflanze feiern, also rund…

Die Mutter der Sonne – Sa Mama ’e su Sole

Wenn die Sonne stillsteht – eine sardische Sommerlegende. Es gibt diese Tage auf Sardinien, an denen selbst der Wind innehält. Die Zikaden verstummen, der Himmel flirrt in flüssigem Gold, und die Menschen ziehen sich in den Schatten ihrer Häuser zurück. Dann, so sagt man, streift sie durch die Gassen: Sa Mama ’e su Sole – La Mamma…

Wilde Ringelblume – Calendula arvensis

Die Wilde Ringelblume (Calendula arvensis), auch bekannt als Acker-Ringelblume, ist eine einjährige bis zweijährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae). Während sie auf Sardinien noch fast das ganze Jahr über blüht, ist ihr leuchtend gelber Anblick in vielen Teilen Europas selten geworden. Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen Böden, wurde früher als Heil- und…

Käutersammelkurse auf Sardinien – Taucht ein in die Welt der Heilpflanzen

Ab Ende Februar bis Mitte Mai lade ich euch jeden Samstag zu einem besonderen Erlebnis ein: Gemeinsam erkunden wir die wilde und unberührte Natur Sardiniens, um die Schätze der mediterranen Pflanzenwelt zu entdecken. In kleinen Gruppen von maximal 6 Personen führe ich euch in die Geheimnisse des traditionellen Heilpflanzensammelns ein.

🌝 13. Januar – der Wolfsmond

Heute Nacht erleuchtet der erste Vollmond des Jahres den Nachthimmel, der erste Vollmond nach den Raunächten: der Wolfsmond. Sein Name weckt in mir Bilder von schneebedeckten Landschaften, eisiger Stille und dem heulenden Ruf der Wölfe, die in der Dunkelheit durch die Wälder streifen, naja auf Sardinien gibts das nicht. Aber dennoch ist sein Licht besonders. Lasst…

🌿 Meine Reise zu Sa Sanadora

Seit Jahren schlummert eine Idee in meinem Herzen, der ich hier ein neues Leben geben möchte: Sa Sanadora – die alten Heilerinnen Sardiniens. Dieser Name steht in mir für eine tiefe Verbindung zu den alten Wurzeln der Insel, seiner Natur und den jahrhundertealten Traditionen. Es ist mehr als ein Projekt; es ist ein Weg, die Magie…