26. Oktober – Der Herbst ist auf Sardinien angekommen. Die ersten StĂŒrme fegen ĂŒber die Insel, manchmal bis zu 90 km/h. In der Nacht klappert an meinem Tiny House alles â FensterlĂ€den, TĂŒren, das Dach des kleinen Hauses – schlafen fast unmöglich. Der Wind singt alte Lieder, und der Regen fĂ€llt in Strömen. Die Insel atmet auf.

Nach den langen, trockenen Sommermonaten riecht es endlich wieder erdig und feucht, nach zersetzender Erde, Pilzen und neuem Leben. Zwischen den dunklen Wolken und dem SchÀumen des Meeres kehrt Ruhe ein. Der Strom der Besucher nimmt merklich ab.
Es ist die Zeit, nach innen zu gehen, so wie die Natur sich selbst zurĂŒckzieht, um Kraft zu sammeln fĂŒr das kommende Jahr.
Auf den Feldern der Nachbarn werden jetzt die „Frasche„, Ăste und die letzten trockenen HeubĂŒndel, verbrannt. Es liegt der Duft von Rauch und Feuer in der Luft.
Ich sitze in meinem gemĂŒtlichen HĂ€uschen und denke nach: Das vergangene Jahr, bald ist Samhain â das Ende und der Anfang zugleich. Bald kommt die Zeit der RauhnĂ€chte, ich ĂŒberlege, vorher noch ein paar Tage mit meinem Hund zu pilgern, solange das Wetter in Italien hĂ€lt.
Mein Kopf ist noch voll mit Artikeln, EntwĂŒrfen, PlĂ€nen fĂŒr meinen Blog hier â so vieles wollte ich bis jetzt geschrieben haben. Tja, es hat nicht reingepasst. Vielleicht werden sie im neuen Jahr entstehen, wenn der Wind alles Alte verweht hat.
Hier auf Sardinien lerne ich immer wieder:Â Man kann nichts erzwingen. Das Leben folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten.
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đ ZurĂŒck zu Samhain – was es bedeutet
Samhain (gesprochen Sow-en) war fĂŒr die Kelten der Beginn des neuen Jahres. Das Alte war vorbei â alles, was gelebt, gearbeitet, erlebt und geerntet wurde, trat nun in die Phase der Zersetzung und Wandlung. Wie in der alten Legende von der Walisischen Göttin Cerridwen, in deren Kessel alles Vergangene neu zusammengerĂŒhrt wurde, begann nun die alchemistische Zeit des Neuwerdens:
Aus Erde, Tod, Dunkelheit und Traum formte sich leise das Neue.
Diese Wandlung spiegelt sich auch in der Rune Isa, die in dieser Woche ĂŒber uns liegt: Stillstand, Einfrieren, innehalten. Isa erinnert uns daran, dass Ruhe kein Verlust ist â sie ist mein GefĂ€Ă, in dem Neues in mir wachsen kann. Besinnung.

Ich weiĂ nicht, was historisch wahr ist und was sich im Lauf der Jahrhunderte verĂ€ndert hat. Was ich fĂŒhle, ist, dass Samhain fĂŒr mich keine Nacht des Schreckens ist, nie war. FĂŒr mich ist diese Zeit etwas anderes: eine stille, ehrfĂŒrchtige Schwelle, an der sich das Alte verabschiedet und das Neue langsam ankĂŒndigt. Ich glaube, dass die Menschen frĂŒher â bevor das Christentum daraus Allerheiligen und Allerseelen machte â spĂŒrten, dass jetzt der Moment ist, um innezuhalten. Um zu danken, um loszulassen, um sich mit den Ahnen zu verbinden.
Wenn ich in diesen Tagen den Wind ĂŒber die HĂŒgel fegen höre und den Geruch von Erde und Rauch in der Luft habe, spĂŒre ich, wie sich auch in mir etwas verĂ€ndert. Ich komme innerlich zur Ruhe, lasse meine BĂŒroarbeit auch mal ein paar Tage warten, denke an das jetzt, der Beginn des Winters, und oft an all die Menschen, die mich hierher gefĂŒhrt haben. Meine GroĂeltern, meine Ahnen und manchmal glaube ich, dass ihre Stimmen im Wind sind, dass sie mit mir atmen.
Und so stelle ich mir Samhain vor: Wir werfen alles â das Gute, das Schwere, das Unfertige â in den Kessel der Cerridwen, lassen sie rĂŒhren und daraus ein neues Jahr entstehen.
Vielleicht ist das nur meine Sicht, vielleicht eine alte Erinnerung, die in mir weiterlebt. Aber fĂŒr mich fĂŒhlt es sich richtig an. đŹïžâš
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đŸ Von Licht zu Dunkelheit
Ich habe eine Tarotkarte gezogen â eine, die mich durch diese Schwellenzeit begleiten soll.
Der Bube der Kelche aus dem wunderschönen Deck Mystisches Tarot von Catrin Welz-Stein. Ich mag diese Karte, sie ist meine stille Botin fĂŒr Sanftheit, fĂŒr das Staunen ĂŒber kleine Dinge und fĂŒr das Vertrauen in die leisen Stimmen der Intuition.
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Mein Tarotimpuls – Bube der Kelche
Der Bube der Kelche ist ein sehr sanfter Bote des Tarot. Er steht fĂŒr Offenheit, SensibilitĂ€t und die zarte RĂŒckkehr zur Intuition â fĂŒr jene leise, innere Stimme, die wir nur hören, wenn es drauĂen still geworden ist.

So wie Samhain in mir den inneren Ăbergang in das kommende Jahr markiert â lange bevor der Kalender umschlĂ€gt â so steht auch der Bube der Kelche fĂŒr einen Neuanfang, aber einen sehr feinen, stillen, inneren. Er erinnert daran, dass jedes neue Jahr nicht mit Feuerwerk beginnt, sondern mit der stillen Zeit des Herbst-Beginns, einem Atemzug, dem GefĂŒhl der Einkehr in sich selbst.
âVertraue der leisen Regung in dir â sie ist die Sprache deiner Seele.â
In dieser Jahreszeit, wenn der Wind die BlĂ€tter forttrĂ€gt und die Erde nach Regen riecht, erinnert uns diese Karte daran, dass VerĂ€nderung nicht laut sein muss. Manchmal beginnt sie mit einem einzigen Gedanken, einem GefĂŒhl, einem Traum, der sich zeigen will.
Der Bube der Kelche ist wie ein junger Fluss, der sich vorsichtig seinen Weg sucht â neugierig, verspielt, verletzlich. Er lĂ€dt dich ein, in die Welt deiner inneren Bilder einzutauchen, dich an die Hand deiner Intuition zu nehmen und ihr zu folgen, auch wenn du das Ziel noch nicht kennst.
Samhain ist die Zeit des Hinhörens. Der Bube der Kelche schenkt uns genau diese QualitÀt: EmpfÀnglichkeit, TrÀumkraft und das Vertrauen, dass die Stille schöpferisch ist.
So wie am Johannistag das Licht in den Fluss ĂŒberging, kehrt jetzt â mit dem Buben der Kelche â das Wasser in die Tiefe zurĂŒck. Es sammelt sich, nĂ€hrt die Wurzeln, bereitet den Boden fĂŒr das Neue, das im Dunkeln wĂ€chst.
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FĂŒnf Tage vor Samhain â kleine Rituale fĂŒr die Seele
Heute â fĂŒnf Tage vor Samhain â beginne ich mit kleinen Ritualen. Sie sind schlicht, ehrlich und wohltuend. Vielleicht magst du sie mit mir gehen â Schritt fĂŒr Schritt.
Heute zieht ein neuer Sturm ĂŒber Nordsardinien, im Haus knistert ein kleines Feuer im Ofen.
Zeit, in der sich das Leben nach innen zieht, in der jedes kleine Ritual wie eine leise RĂŒckkehr zu sich selbst wird.
đ Tag 1 â KlĂ€rung (Luft & Wind)

Sturm und Wind tragen Botschaften.
Ăffne das Fenster, atme tief, spĂŒre, wie der Wind ĂŒber durch das Haus zieht, alles mit sich nimmt.
RĂ€uchere leicht mit Rosmarin oder Wacholder und stell dir vor, wie die Luft alles forttrĂ€gt, was sich vollendet hat â das Alte, Schwere, MĂŒde, aber auch das Schöne, das jetzt seinen Zyklus beendet hat.
Alles darf in Bewegung kommen: TrĂ€ume, Erinnerungen, Begegnungen, Erfolge, EnttĂ€uschungen â sie gehören alle in Cerridwens Kessel, damit sie neu gemischt werden und mit frischer Kraft in dein kommendes Jahr zurĂŒckkehren.
Schreib auf:
Was darf jetzt gehen â um im neuen Jahr verwandelt wiederzukehren?
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đ Tag 2 â Erdung (Erde & Ordnung)
RĂ€ume einen kleinen Bereich auf â eine Schublade, deinen Altar, die Erinnerungsecke, den KĂŒchentisch.
Beim Sortieren spĂŒrst du, was bleiben darf, was dir wirklich dient, schmeiĂ weg was Dich belastet, schwere Erinnerungen trĂ€gt. RĂ€um auf, in Dir.
Vielleicht zĂŒndest du dabei eine Kerze an, um dich an das Licht im Chaos zu erinnern.
Schreib auf: WofĂŒr bin ich in diesem Jahr dankbar?
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đ Tag 3 â Reinigung (Wasser & Körper)
Mach ein warmes FuĂbad mit Meersalz und einem Tropfen Myrteöl oder einem Rosmarinzweig.
WĂ€hrend du deine FĂŒĂe im Wasser spĂŒrst, lass die Gedanken still werden.
Das Wasser nimmt alles auf, was du nicht mehr tragen willst.
Schreib auf: Wie möchte ich mich in den kommenden Monaten nĂ€hren â körperlich und seelisch?
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đ„ Tag 4 â Sammlung (Feuer & Herz)
ZĂŒnde eine Kerze an. Schau in die Flamme und spĂŒre, wie sie dich wĂ€rmt. Denk an etwas, das dich in diesem Jahr besonders gestĂ€rkt hat, schaue in Dein Tagebuch. Menschen, Momente, Gedanken.
Erinnere Dich und Sprich leise: âIch trage das Licht in mir weiter.â
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đ Tag 5 â Verbindung (Ahnen & Seele)
Bereite einen kleinen Platz vor â ein Foto, ein Symbol oder einfach einen Stein vom Weg.
Lege Brot oder Kastanien dazu und sag: âDanke, dass ihr mich begleitet.â
Vielleicht spĂŒrst du beim Aussprechen ein leises Kribbeln oder eine sanfte NĂ€he. Ziehe, wenn du magst, eine Tarotkarte oder eine Rune â als Zeichen fĂŒr die kommende dunkle Zeit. Lass sie bei dir liegen, bis sich der November ganz öffnet und wir dann im Dezember in die Zeit der RauhnĂ€chte eintreten â jene magischen NĂ€chte, in denen wir lauschen, deuten und das neue Jahr bereits leise ahnen können.
In dieser Nacht darf alles, was du in den letzten Tagen geklĂ€rt, geordnet, gereinigt und gesammelt hast, nun miteinander verwoben werden â wie in Cerridwens Kessel.
Es ist der Ăbergang, an dem aus Vorbereitung Wandlung wird. Der Wind drauĂen wird zum Begleiter, das Kerzenlicht zum HĂŒter, und du selbst bist mittendrin in dieser Schwelle, bereit fĂŒr die Nacht von Samhain. đ
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đ Mein Samhain-Ritual (Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November)
Du brauchst:
Kerze â Wasser â Salz â Brot oder Kastanien. Foto’s oder Symbole, die fĂŒr Deine Ahnen stehen, all die ganzen Menschen, die dafĂŒr gesorgt haben, dass Du jetzt hier bist. Dann noch Papier & Stift, eine feuerfeste Schale, etwas Erde oder Stein vom Lieblingsort.
Ablauf:
- WindgruĂ: Ăffne kurz das Fenster â âWillkommen, Herbstwind. Nimm mit, was mir nicht mehr dient.â
- Elemente: BerĂŒhre Wasser und Salz, zĂŒnde die Kerze an â Licht fĂŒr Schutz und Klarheit.
- Ahnengabe: Lege Brot und Kastanien vor das Foto. âDanke fĂŒr eure Wege, euren Mut, euer Sein.â
- Loslassen: Schreib drei Dinge auf, die du hinter dir lassen willst. Verbrenne oder zerreiĂe sie.
- Neues sĂ€en: Halte den Stein oder die Erde in der Hand. âIch setze die Saat fĂŒr Ruhe, Vertrauen oder Heilung.â
- Erden: Iss ein StĂŒck Brot, trink Wasser oder Tee.
âDer Kreis ist geschlossen â und bleibt offen fĂŒr das Gute.â
đż RĂ€uchern â Sardische Pflanzen oder ganz nach GefĂŒhl
- Wacholder (Ginepro): klĂ€rt, schĂŒtzt, vertreibt Dunkelheit
- Myrte (Mirto): verbindet Herz und Ahnen
- Rosmarin (Rosmarino): stÀrkt, ordnet, bringt Klarheit
- Zistrose (Cisto): schenkt Geborgenheit
- Immortelle (Elicriso): heilt alte Wunden
đš RĂ€uchere sparsam, bei offenem Fenster, besonders mit Tieren im Haus.
đ” Tee und SturmnĂ€chte
Wenn der Wind an den WĂ€nden zerrt und das Haus Ă€chzt, koche dir einen warmen Tee. Mein Inseltee fĂŒr Dich:
Rosmarin, Myrte, Zitronenschale â 10 Minuten ziehen lassen, dann Honig dazu.
Dazu ein paar geröstete Kastanien, eine Prise Meersalz aus Sardinien und ein Hauch Rosmarin.
Setz dich mit einer Decke ans Fenster, hör den Regen, das Wetter und ein Sturm drauĂen erinnert: Auch wir dĂŒrfen loslassen, um wieder zu erblĂŒhen.
đ Wenn Traurigkeit mitschwingt
Manche fĂŒhlen sich zu Samhain besonders schwer â und das ist in Ordnung. Samhain ist kein Fest der Freude, sondern der Wahrheit. Leg die HĂ€nde aufs Herz und sage Dir: „Ich bleibe. Ich bin hier.“ und wische in Gedanken die Schwere davon als wĂŒrdest du den Staub des Jahres fortwischen.
Journal-Impulse
- Was darf enden, damit ich wieder atmen kann?
- Was möchte ich in die dunkle Zeit mitnehmen?
- Wer aus meiner Ahnenlinie stÀrkt mich besonders?
- Welche Eigenschaft in mir darf jetzt ruhen?
- WofĂŒr bin ich in diesem Herbst dankbar?
đŸ Ein kleiner Segen fĂŒr die Nacht
âSollen die Winde tragen, was mir zu schwer ist.
Sollen die Lichter bewahren, was zu mir gehört.
Ich gehe durch die Schwelle â still, ganz, und gut begleitet.â
Ich wĂŒnsche dir eine wundervolle Samhain-Zeit â Atme, spĂŒre, höre Wind, Wetter, die Sonne oder höre den Regen. Der Kreis schlieĂt sich â und mit ihm öffnet sich das Tor zum Neuen.
Alles darf sich wandeln, nichts ist verloren.
In Licht & Liebe,
Deine Anja âš
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