Dog May – Mein Seelenpferd

Erinnerungen. Schmerz. Und eine Botschaft aus dem Tarot.

Es war einmal ein Pferd. Nicht irgendeines – mein Seelenpferd.
Pferde begleiteten mich schon immer, aber er war anders. Es war, als hätte er mich gefunden – nicht ich ihn.

Sein Name war Dog May, er war 5 Jahre alt als er mich fand, ein sardischer Anglo-Araber mit einer Vergangenheit als Rennpferd. Schnell, stark, bestimmt für große Rennen – ausgewählt für den Palio in Siena. Doch das Schicksal hatte andere Pläne: Ein Hase kreuzte beim Training seinen Weg. Eine schwere Sehnenverletzung beendete seine Karriere. Und öffnete meine Tür.

Ich traf ihn durch Zufall – wie es mit Schicksalen eben so ist. Ein junger Hengst, wild, frech, voll mit Heukräutern im Schweif, und doch so sanft: Er legte den Kopf auf meine Schulter und knabberte zärtlich an meinem Ohr. Das war der Moment. Ich wusste: Er ist es.

Und es begann eine tiefe, stille Liebe – ohne große Gesten, aber mit unendlicher Vertrautheit, viele schöne Jahre. Wir ritten gemeinsam durch die sardische Natur, genossen das einfache Zusammensein, erholten uns beide von Wunden, inneren wie äußeren. Er trug mein Herz in seinem Galopp, in seiner Geduld, in seinem Schnauben in mein Haar.

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Dann kam der 15. Juli. Es war heiß, die Sonne stand tief, als wir abends zu den Pferden kamen.
Nur die Stute Dally war am Zaun. Dog May kam nicht. Mein Freund fand ihn am Ende der Weide, er stand dort – mit einem offenen Oberschenkelbruch. Ich sah den Schmerz in seinen Augen. Und sein Flehen. „Bitte, hilf mir.“ Vergessen mein eigener Schmerz, mein Schock, meine Tränen liefen leise. Ich wusch ihm das Gesicht mit kühlem Wasser und er legte seinen Kopf – wie damals als wir uns trafen – auf meine Schulter. Wir standen gemeinsam im goldenen Abendlicht, die Sonne verabschiedete sich, und mit ihr verabschiedete ich mein Seelenpferd.

Der Tierarzt kam. Dog May ging. Und mein Herz brach.

Ich habe danach nie wieder ein Pferd berührt.
Nie mehr geritten.
Der Geruch von Pferden – jahrelang unerträglich.

Doch in mir blieb sein Hufschlag.
Leise. Und immer da.

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15 Jahre später.

Wieder ein 15. Juli 2025. Viel zu tun, der Alltag fordert mich, aber gegen Abend habe ich Zeit für meine Erinnerung. An mein Pferd.

Dog May.
Der Sonnenuntergang.
Der Moment des Abschieds.
Und ich spüre: Ich habe keine Angst vor dem Tod. Denn irgendwann, das weiß ich, reite ich mit ihm wieder gemeinsam über eine große, grüne Wiese.

Zu Hause angekommen, nehme ich mein Tarotdeck – Mystical Moments von Catrin Welz-Stein, wunderschöne Karten, sehr sanft und leise.
Ich mischte die Karten, denke an ihn.
Ich fragte: „Hey Kleiner, welche Botschaft hast du heute für mich?“
Und zog:

Knight of Pentacles.
Ein Mädchen auf einem Pferd aus Blättern, reitend in den Sonnenuntergang. Über eine grüne Wiese.
Ich schwöre: Ich habe die Karte nicht gesucht.
Sie kam von selbst.
Ein Geschenk.

Ich sitze da, wortlos.
Nur Tränen.

„Ich bin hier. Ich bin Natur. Ich bin Leben. Ich bin Erinnerung.
Ich bin dein treuer Begleiter. Immer.
Nicht nur auf der Weide, nicht nur im Traum, sondern in deinem Herzen –
bei jedem Schritt, bei jedem Atemzug unter dem Himmel von Sardinien.“

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Dog May – Eines Tages reiten wir wieder.
Ich verspreche es dir.
In Liebe,
Anja

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